Ein Verein zur Unterstützung der Asyle für Hexenjagdflüchtlinge in Ghana

Unser Plan

In Kpatinga, Gushiegu und Nabule bestehen Asyle für insgesamt 200 weibliche Hexenjagdflüchtlinge. Simon und Evelyn Ngota bringen dort seit Anfang 2010 ihre Erfahrung ein. Seit Anfang 2011 konnten sie ihre Arbeit intensivieren. Dank der Intervention der dänischen Organisation Danida und „Seniors without Borders“ konnte Martina Ayaab, eine in Frauenprojekten erfahrene Sozialarbeiterin, ihre unterstützende Tätigkeit  in den Asylen aufnehmen.

Die regelmäßigen Besuche unseres ghanaischen Teams und die Aufklärungsunterricht über Hygiene, Gemüsebau, Seifenproduktion und Geflügelzucht schaffen Vertrauen und geben den sozial isolierten Frauen einen Halt. Simon und Evelyn Ngota und Martina Ayaab fördern allein durch ihre Präsenz das Selbstbewusstsein der Frauen in den Asylen. Wo es geht packen sie mit an, erklären Zusammenhänge und klären auf. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die dauerhafte Arbeit mit den Frauen von diesen sehr wohltuend erfahren wird.

Keine konnte bis 2012 lesen oder gar schreiben, durch die generelle Diskriminierung von Frauen im Norden Ghanas sind sie auch selten in der Lage aus eigener Kraft Kleinstunternehmen zu starten. Mit Anleitung und Training können sie rasch ihre Ressourcen erkennen und besser einsetzen und so ihren Lebensunterhalt gemeinsam und solidarisch bestreiten. Insbesondere in Gushiegu haben die Frauen die Möglichkeit, die gegen sie gerichteten Hexereivorstellungen kollektiv zu hinterfragen und dagegen aufzubegehren. In Kooperation mit Danida wurden Lehrer angeheuert, die in Teilzeit Alphabetisierungskurse in den Camps geben.

Viel wird an Vorurteilen abgebaut, wenn man den Menschen vor Ort zeigt, dass es nicht schädlich ist, mit den als Hexen verurteilten zu essen, zu sprechen, zu handeln. Die permanente Arbeit vor Ort führt zu dauernden Diskussionen, in denen die Gesellschaft um die Camps herum aufgeklärt wird über die tatsächlichen Hintergründe einer Anklage und Verfolgung. Durch einen verstärkten Austausch untereinander in Kooperation unter anderem mit dem bestehenden Songtaba-Netzwerk von Actionaid soll der Organisationsgrad verbessert werden.

Das Projekt hat derzeit ein Budget von ca. 450 Euro pro Monat. Unser Ziel als Förderverein ist es, einen in Zusammenarbeit mit dem WHVEP erstellten Stufenplan umzusetzen. In dieser extrem armen Region Ghanas ist eine Finanzierung des Projektes nur von außen möglich. Eine solche Finanzierung verspricht außerdem mehr Transparenz und Kontinuität als ohnehin nicht existente staatliche Versprechen. Wir sehen aber die Konkurrenz von NGO’s mit staatlichen/gesellschaftlichen Maßnahmen sehr kritisch und in Ghana lässt sich häufig beobachten, dass Menschen eher sich an eine NGO wenden, wenn sie eine Schule brauchen, anstatt dies beim Staat einzufordern. Das gleiche gilt für viele Infrastrukturmaßnahmen, mit denen sich eigentlich staatliche Institutionen legitimieren müssten.

In der Vergangenheit scheiterten andere Projekte an der Überschätzung von komplexen Produktionsketten. Ein häufiger Wunsch scheint zu sein, den alten Frauen möglichst rasch eine Marktlücke zu eröffnen in die sie mit einfach zu produzierenden Waren stoßen können. Die dafür erworbenen Maschinen waren oft teuer, erforderten trotzdem hohen Arbeitsaufwand der Frauen und mussten teilweise wieder abgestoßen werden. Karen Palmer berichtet von einer solchen für alle frustrierenden Erfahrung in Gambaga. Fahrräder zum Beispiel könnten auch von manchen älteren Frauen als unbrauchbar eingestuft werden, weil sie zu alt sind um noch Fahrrad fahren zu lernen – bei allen Gegenständen sollte man aber die Fähigkeiten und Kräfte der Frauen nicht überschätzen.

In Gushiegu wurden uns leider drei Moringa-Bäume durch jugendlichen Vandalismus zerstört (möglicherweise aus Neid auf die Frauen) – ein weiterer wurde aus Unachtsamkeit von einem LKW beim Brennholzholen umgefahren. Um so etwas zu vermeiden brauchen wir sowohl die diplomatische Präsenz von Respektspersonen wie Simon und Evelyn. Weiter möchten wir die Unterstützung auf bewährte, arbeitsarme, unauffällige aber sichere Produktionsweisen und den vermittelten Verkauf auf lokalen Märkten beschränken: Nahrungsmittel für den Eigenbedarf, Seife für den Eigenbedarf und den Verkauf, einfachere Shea-Butter-Kosmetika für den Verkauf, Moringa-Pulver  für den Eigenbedarf und den Verkauf, getrocknete Mango und Cashew für den Eigenbedarf und den Verkauf, Kalebassen, Schmuck und Zahnholz für den Verkauf. Nach Möglichkeit möchten wir dazu anregen, überschüssige Ressourcen mit den benachbarten Camps zu teilen, werden das aber nicht einfordern. Wir haben nicht vor, Nippes oder Kosmetika zu produzieren und teuer nach Übersee zu exportieren, da Ghana nach wie vor Lebensmittel, Kosmetika und Plastikgeschirr in Massen importieren muss und der lokale Markt gar nicht so schlecht ist. Weil viele Leute das vorschlagen: Wir können leider in den Camps keine Töpferei einrichten. Der Lehm muss arbeitsintensiv gegraben werden, das Feuerholz zum Brennen ist eher knapp und nur relativ wenige Frauen verstehen sich wirklich auf die Töpferei.

Kurzum, wir wollen die alltägliche Arbeit nachhaltig und effizient erleichtern und verringern ohne die Kapazitäten der älteren Frauen ohne jede Schulbildung und mit nur rudimentären handwerklichen Fähigkeiten zu strapazieren.

Ihre Spenden fließen in unsere nächsten Etappen:

1. Die Anschaffung von einfachen Sägen und Äxten, um die sehr wichtige Brennholzverarbeitung leichter zu gestalten.

2. Der Aufbau eines vom Projekt verwalteten Nahrungsmittelvorrats für Notzeiten.

3. Die Anschaffung von Schubkarren und Kanistern, um den Wassertransport zu erleichtern.

4. Die Bereitstellung eines Budgets für anfallende Missstände in den Bereichen Ernährung und Gesundheit insbesondere bei Neuankömmlingen oder sehr alten Frauen.

5. Die Entsendung der in den Camps wohnenden Kinder in Schulen.

6. Die Erweiterung des Budgets für Transportkosten um Besuche in den Dörfern möglich zu machen.

7. Die Verbesserung von Unterkünften und die Errichtung von Komposttoiletten, die möglichst an eine Hygienisierung der Fäkalien angeschlossen werden (Terra Preta, Erhitzung oder Arbor-Loo). In Gushiegu und Kpatinga bestehen Toiletten.

8. Die Einstellung zweier weiterer Konkomba-sprachigen Assistenten, um die zeitnahe Verrentung der Leitung und die Übernahme des Projektes zu ermöglichen sowie die stetige Anhebung aller Löhne im Rahmen der Lohnentwicklung in Ghana.

9. Die Errichtung von zusätzlichen Lehmhütten für Neuankömmlinge.

10. Die Förderung von Kleinstunternehmen (falls z.B. eine Frau einen Marktstand mit Okraschoten betreiben will um sich unabhängig zu machen) und mit Hilfe lokaler Erfahrungen erarbeitete Aufklärungskampagnen in den am stärksten von Hexenjagden betroffenen Dörfern. Wir konzentrieren uns hier darauf, alternative Erklärungsmuster für Krankheiten zu fördern und Gewaltakte durch Diskussionen und Erfahrungsaustausch vorzubeugen. Ebenfalls aufwändig sind Rücksiedlungen, sofern die Rückkehr sicher ist und die Konfliktparteien sich einig werden.

11. Nach Möglichkeit Landkauf zur Nutzung durch die Asyle, die Erweiterung der Aktivitäten auf die Asyle für Hexenjagdflüchtlinge in Gambaga, Bonyanse, Tindang, Kukuo und Gbintiri sowie der Austausch mit ähnlichen Camps in Burkina Faso.

Warum kann das nicht eine große Organisation oder der Staat machen?

Nach etwa 20 zeitaufwändigen und nervenaufreibenden Projektanträgen bei großen Organisationen sind wir zum Schluss gekommen, dass Hexenjagden zu komplex sind für die Verkaufslogiken von Großorganisationen. Zudem fließen bei solchen Organisationen hohe Anteile in Werbung und Gehälter.  Durch den direkten Kontakt mit Spendern und Spenderinnen bleibt uns bürokratischer Aufwand für den Kontakt mit Großorganisationen erspart, den wir ehrenamtlich nicht leisten können. Wir können uns mit ihrer Unterstützung auf dieses sehr spezielle Projekt konzentrieren und eine hohe Fachkenntnis einbringen.

Dabei greifen wir auf über 15 Jahre Erfahrung von Simon und Evelyn Ngota im Umgang mit Hexenjagdflüchtlingen sowie auf jahrelange Erfahrung von Martina Ayaab in der Arbeit mit diskriminierten Frauen zurück.

Diese Erfahrung zeigt: Eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Hexenjagdflüchtlingen führt keinesfalls dazu, dass Menschen Hexereianklagen erfinden, um sich Vorteile zu verschaffen. Sie führt auch nicht zu mehr Anklagen. Im Gegenteil.

Die Asyle wurden vormals als „Gefängnisse“ wahrgenommen, in denen die „inhaftierten Hexen“ ihre „gerechte Strafe“ leiden müssten. Nun sehen die Ankläger und Menschen mit Ressentiments, dass man gefahrlos mit „Hexen“ arbeiten und essen kann, dass Menschen überall auf der Welt sich mit ihnen solidarisieren. So wird das Stigma zuerst für die Flüchtlinge durchbrochen, die diese Solidarität als sehr heilsam erfahren.

Aber auch ihre Ankläger sehen, dass andere Menschen diese Frauen nicht für Hexen halten oder zumindest ihnen dennoch Gutes tun wollen. Das stiftet eine Verwirrung, die aller Erfahrung nach positiv sich auswirkt, Zweifel schafft und hilft, Traditionen und kollektive Meinungen zu hinterfragen. Dazu gehört folgendes Ereignis: Die Frauen in Kukuo, dem größten Ghetto, drohten mit einer Nackt-Demonstration für den Fall, dass der Lynchmord an einer alten Frau im 300 km entfernten Tema ungesühnt bleibe. Sie stellten damit sämtliche Hexereianklagen und Lynchmorde in Frage – ein positiver Effekt der Asyle, den wir auch in Gushiegu fördern wollen.  Wir versichern außerdem, dass das Projekt vor Ort rasch und kompetent auf eventuelle Veränderungen und Nachteile reagieren kann.

Traurige Geschichten geschehen leider trotz aller Vorsicht:

Einer recht alten Frau wurde in Gambaga eine Operation am Auge ermöglicht, die sie sich selbst sehr wünschte, da sie eine dicke Brille brauchte. Sie starb während der Operation in einem sehr kompetenten Krankenhaus in Nalerigu.

Eine andere wurde mit einer Verletzung am Fuß mit dem Motorrad ins Krankenhaus gebracht, weil das Auto zu dieser Zeit nicht finanzierbar war. Sie stütze sich an einem Schlagloch mit dem kranken Fuß ab und verschlimmerte dadurch ihre schmerzhafte Verletzung.

In Gambaga wurde eine Frau nach der Wiedervereinigung mit ihrer Familie erneut der Hexerei angeklagt und ermordet. Einige weitere erlitten nach ihrer Rückkehr diskriminierende Maßnahmen wie Hausarrest. Aber fast 500 weitere Frauen wurden auf eigenen Wunsch hin erfolgreich und unter sehr aufwändigen Sicherungsmaßnahmen (Vorgespräche, Verhandlungen, Folgebesuche) wieder rückgesiedelt.

Wir wollen Misserfolge nicht überspielen, sondern öffentlich diskutieren, um sie künftig zu vermeiden. Das „Witch-hunt Victims Empowerment Project“ in Kooperation mit „Hilfe für Hexenjagdflüchtlinge“ wird mit ihrer Hilfe ein Pilotprojekt für den Umgang mit Hexenjagdflüchtlingen im ganzen subsaharischen Afrika sein.

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