Ein Verein zur Unterstützung der Asyle für Hexenjagdflüchtlinge in Ghana

Personen

Simon und Evelyn Ngota arbeiten seit 18 Jahren mit Hexenjagdflüchtlingen, bis 2009 im „Gambaga Outcast Home Project“. Zu diesem Zeitpunkt blieb das Gehalt bereits für ein Jahr aus, nachdem aufgrund von Konflikten zwischen der presbyterianischen Kirche und dem sich für die Frauen zuständig haltenden Chief die Kirche Fördergelder für das Projekt einstellte.

Auch gab es starke Anzeichen dafür, dass die Kirche nicht immer alle für das Projekt gedachten Spenden an dieses weiter leitete und über Kritik daran nicht besonders erfreut war. In dieser harten Zeit hielten sich Simon und Evelyn mithilfe von Seifenproduktion und den Spenden von Touristen, Freunden und Verwandten über Wasser.

Als ich als Ethnologe das „Outcast Home“ in Gambaga besuchte, traf ich die beiden und beschloß, mit ihnen zusammen zu arbeiten und ihnen ein minimales Einkommen zu organisieren. Ethnische Konflikte zwischen Kusasi und Mamprusi und daraus resultierende Morddrohungen zwangen den Kusasi Simon Ende 2009 nachts aus der Mamprusi-Hochburg Gambaga zu fliehen und das Projekt dort endgültig aufzugeben. Wir beschlossen also, das Projekt im sicheren Gushiegu neu aufzuziehen. Noch wohnen sie in einem Lehmhaus in Garu, Simons Geburtsort. Alle zwei Wochen fahren Simon und Evelyn für sechs Tage nach Gushiegu, um dort zu arbeiten. Ende des Jahres wird ein Lehmhaus in Gushiegu fertig gestellt sein, die beiden jüngsten Kinder freuen sich schon darauf, hier in die Schule gehen zu können.

In einer Missionsschule als „Patenkind“ aufgewachsen erhielt Simon eine Ausbildung zum Agraringenieur. Seit seiner Jugend hat er in Projekten gearbeitet und einst sogar einen Preis gewonnen: Mit einem Blinden-Projekt schaffte er es, den zweiten Preis in der landesweiten Zwiebelernte zu gewinnen.

Evelyn trainierte die Frauen in Gambaga in der Herstellung von Seife, Sheabutter und Holzkohle. Beide haben ein großes Interesse an Umweltschutz.

In Gambaga pflanzten sie einen Wald und stoppten das populäre Abbrennen der Maisfelder.  „Organic matter matters“: Kompost ist das wichtigste, meint Simon oft. Es ärgert ihn, wenn riesige Haufen von Erdnussschalen einfach angezündet werden, um sie loszuwerden, wenn Holzkohlereste sackweise auf die Mülldeponie gebracht werden oder wenn Gras abgefackelt wird, statt es zu mähen und zu kompostieren. Er schätzt Kunstdünger, weiß aber um die auslaugende Wirkung auf die empfindlichen Laterit-reichen Böden. Als Kind ging er noch zur Jagd mit Pfeil und Bogen oder mit einer Schleuder. Wehmütig erinnert er sich wie viele Ältere an die Zeit, als Nilpferde, Affen, Hasen, Hyänen, Antilopen und Krokodile noch zahlreich waren.

Hier kämpft der 59 jährige Simon mit seiner altersschwachen Yamaha. Nach einem aufreibenden Tag hatten wir auf dieser Maschine bereits 11 Stunden verbracht, ein Gewitter verwandelte die letzten 40 Kilometer Erdpiste in eine Schlammpartie.

2009 unternahm ich als Ethnologe erstmals eine Feldforschung. Ich wollte dem Thema meiner Magisterarbeit tiefer nachgehen und eine Forschung über das aufstrebende Filmwesen in Ghana mit einer über Hexenjagden und Hexereivorstellungen kombinieren. Sind die um Hexerei und Geister kreisenden Filme ein Auslöser für Hexenjagden? Diese Frage führte mich zunächst nach Gambaga. Die Hexenjagden dort finden allerdings in zutiefst traditionellen, ruralen Kontexten statt. Filme sorgen eher in den Städten für populäre Phantasien, die in sehr regelmäßigen Einzelfällen mit Lynchmorden in Zusammenhang gebracht werden können.

Mehr Informationen zu meinem Forschungsprojekt finden sie unter:

http://www.uni-siegen.de/locatingmedia/personen/felix_ri

edel.html?lang=de

Weitere Mitglieder und Förderer sind bislang:

Dr. Nikola Fenner (Ärztin)

Gerlind Fenner (pensionierte Lehrerin)

Lydia Riedel (Biolandwirtin)

Thomas Riedel (Krankenpfleger)

Marc Kappler (Politikwissenschaftler)

Ulrich Riedel (pensionierter Chemiker)

Stephan Roth (Philosoph)

Dr. Tanja Losch (Ärztin)

 

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